Information zum 18. Februar 2010

CBM befürchtet zehntausende dauerhaft Behinderte mehr

Verletzte Menschen in einem Zelt
Dauerhafte Behinderungen: Mehrere zehntausende Menschen sind wahrscheinlich betroffen.
© CBM
PORT-AU-PRINCE/BENSHEIM. Fünf Wochen nach dem verheerenden Erdbeben auf der Karibikinsel Haiti befürchtet die CBM, dass mehrere zehntausend Menschen eine dauerhafte Behinderung davontragen. Allein die vielen Arm- und Beinamputationen, die nach dem Einsturz von Gebäuden nötig wurden, um den Menschen das Leben zu retten, aber auch zu spät behandelte Knochenbrüche und andere schwere Verletzungen sind für die befürchtet hohe Zahl dauerhaft behinderter Menschen verantwortlich.
Neun neue Beratungs- und Hilfezentren
In den ersten Wochen stand auch bei den CBM-Partnerorganisationen die Nothilfe im Vordergrund. Derzeit ist die CBM mit Nachdruck dabei, Hilfe für behinderte Menschen und ihre Angehörigen bereitzustellen. In den CBM-geförderten Projekten wurde die Arbeit zum Teil bereits wiederaufgenommen. Jetzt kann die Zukunft geplant werden.
Gemeinsam mit Handicap International richtet die CBM zur Zeit neun Beratungs- und Hilfezentren ein. Fünf davon versorgen bereits verletzte und behinderte Menschen mit Rehabilitationsangeboten, Informationen oder überweisen sie an Ärzte. Fünf von der CBM entsandte Physiotherapeuten bilden die Mitarbeiter der Beratungszentren sowie Krankenhauspersonal aus, helfen in Kliniken und erklären Angehörigen einfache Reha-Maßnahmen.
Aufbau von 10 Kindertageseinrichtungen
Gemeinsam mit dem Team des Programms "Centre d’ Education Spéciale" zur Frühförderung und Betreuung geistig behinderter Kinder werden zehn Kindertageszentren aufgebaut. Dort sollen Kinder mit Behinderungen betreut und ihnen ein Schutzraum geboten werden. Das Gebäude, in dem das Reha-Zentrum mit mehreren Werkstätten angesiedelt war, muss abgerissen werden, langfristig soll ein neues aufgebaut werden.
Rehazentrum für sehbehinderte Menschen aktiv
Der CBM-Partner "Société Haïtienne d’Aide aux Aveugles", kurz SHAA, lehrte blinde und sehbehinderte Menschen die Braille-Schrift und bot Kurse zur Orientierung und Mobilität an. Nach der Katastrophe hat SHAA Lebensmittel und andere Notpakete an Menschen mit Behinderungen verteilt. Die Gebäude des Projektes müssen abgerissen werden, doch SHAA will weitermachen. Blindenschrift-Maschinen, Blindenstöcke und Bücher werden ebenso benötigt wie Zelte und Augenmedikamente, um den Patienten in Port-au-Prince und den ländlichen Regionen in Haiti zu helfen.
Ein Jugendlicher mit einem Beinverband und einer Krücke
Neue Beratungszentren: CBM richtet neune Zentren für Menschen mit Behinderungen ein.
© CBM
Trotz Gebäudeschäden Operationen in der Uni-Augenklinik
Die Augenklinik des Universitätskrankenhauses in Port-au-Prince, "Hôpital de l’ Université d’ Etat d’ Haiti", wurde zum Teil schwer beschädigt. Doch der Operationssaal wurde nicht getroffen und das Team der Klinik hat direkt nach dem Erdbeben schwierige Operationen durchgeführt und die Verletzten behandelt. Teile des Klinikums müssen jetzt wieder aufgebaut werden, um Patienten auch stationär behandeln zu können und – wie vor dem Unglück – Krankenschwestern und Augenärzte auszubilden. Die Menschen in Haiti können die Behandlungen im Moment nicht bezahlen, so dass die Klinik derzeit alle kostenlos behandelt.
Das Team des Programms zur Verhütung von Gehörlosigkeit an der Klinik "Hôpital de l’Université d’Etat d’ Haiti" hat bei der Nothilfe mit angepackt. Die Mitarbeiter wollen demnächst auch die ohrenmedizinische Arbeit wiederaufnehmen.
Augenabteilung des "Grace Children´s Hospital"
Bei der Augenabteilung des Kinderkrankenhaus "Grace Children´s Hospital" gab es nur wenige Gebäudeschäden. Ein deutsches Ärzteteam hat dort gemeinsam mit CBM-Mitarbeitern eine Woche nach dem Beben Operationen durchgeführt und den Verletzten geholfen. Seit Ende Januar läuft die Augenarbeit wieder. Spätestens im März will das Team auch in die Region fahren, um den Menschen dort zu helfen.
Kooperation zwischen Handicap International und CBM
Zusammen mit Handicap International (HI), einer ebenfalls weltweit arbeitenden Hilfsorganisation für Menschen mit Behinderungen, übernimmt die CBM im Auftrag der haitianischen Regierung die Aufgabe, einen nationalen Aktionsplan zu entwerfen, wie Menschen mit Behinderungen beim Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage unterstützt werden können. Zukünftig ist auch die Einbeziehung von behinderten Menschen in alle Bereiche des nationalen Wiederaufbaus ein wichtiges Thema, um zum Beispiel die Barrierefreiheit sicherzustellen (z.B. das Anbringen von Rampen oder Handläufen für den Zugang zu öffentlichen Gebäuden).
Das Erdbeben in Haiti hat viele Menschen das Leben gekostet. Auch in den CBM-geförderten Projekten sind Mitarbeiter, Angehörige und Patienten ums Leben gekommen. Doch die Haitianer geben die Hoffnung nicht auf und arbeiten aktiv am Wiederaufbau.
CBM-Partner leisten Nothilfe und Wiederaufbau
Die CBM leistet über ihre Partner vor Ort Nothilfe und Wiederaufbau und bittet um Spenden unter dem Kennwort "Haiti" auf das Konto 2020 bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00).
Weltweit unterstützt die CBM fast 1000 Projekte in 105 Ländern. Das Hauptziel der internationalen, christlichen Entwicklungsorganisation ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern zu verbessern.