Rehabilitationszentrum OURS

Endlich angenommen werden

Kordelia Fischer-Borchert mit einem strahlenden Jungen auf dem Arm
Kordelia Fischer-Borchert: Unsere Patienten kommen oft aus 200 Kilometer Entfernung.
© CBM / argum / Einberger
Der kleine Peter gluckst vor Vergnügen, zieht sich an der Holzbank hoch und greift nach dem blauen Stoffpelikan. Voll Stolz schwenkt er ihn hin und her. Noch vor zwei Tagen konnte Peter nicht stehen, nur krabbeln – und das, obwohl er schon zwei Jahre alt ist. Erst mithilfe der CBM-Mitarbeiterin Kordelia Fischer-Borchert hat es geklappt.
Fälle wie der des zweijährigen Peter sind typisch für Kordelias Arbeit im Rehabilitationszentrum OURS in Mbarara/Uganda. Peters Vater war mit seinem Sohn zu einem Camp gekommen, das Kordelia im Busch organisiert hatte. Er hatte sich Sorgen gemacht, weil sein Junge immer noch nicht laufen konnte. Als Ursache der Entwicklungsverzögerung vermutet Kordelia eine frühkindliche Hirnschädigung. Mit krankengymnastischen Übungen, die sie dem Vater zeigt, soll diese Verzögerung nun aufgegefangen werden.
Seit Januar 2007 leitet Kordelia Fischer-Borchert das OURS-Rehabilitationszentrum für Kinder mit Behinderungen in Uganda. Patienten reisen von weither an "Unser Einzugsgebiet deckt fast ganz West-Uganda ab", erläutert sie: "Die Patienten kommen oft aus 100 oder 200 Kilometer Entfernung angereist, meistens mit dem Boda-Boda, dem Motorradtaxi." Die häufigsten Krankheiten in OURS sind Klumpfüße, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, frühkindliche Hirschädigungen, Spina bifida (offener Rücken), Knochenentzündungen und Lähmungen der Beine durch falsch gesetzte Chinin-Spritzen gegen Malaria.
Kordelia Fischer-Borchert, einen Frau und ein Kind
Behinderungen: Sie werden oft als Strafe Gottes angesehen.
© CBM / argum / Einberger
Mein Mann verließ mich sofort
Viele der Kinder blühen in OURS regelrecht auf, erkennen sie doch zum ersten Mal, dass sie nicht die einzigen Kinder mit Behinderungen sind. Ähnlich geht es den Müttern. Twikirize zum Beispiel ist mit ihrem Sohn Bernhard hier, der von Geburt an eine Lippen-Kiefer- Gaumenspalte hat. "Nachdem ich Bernhard geboren hatte, warf mein Mann nur einen Blick auf das Kind und ging", erzählt Twikirize traurig. Das war vor einem Jahr. Jetzt hofft sie, dass Kordelia die Operation für Bernhard in Mbarara vermitteln kann – und wer weiß, vielleicht kommt ja dann sogar ihr Mann wieder zurück.
Kinder in Gemeinschaft integrieren
"Mütter behinderter Kinder fühlen sich meist aus der Gemeinschaft ausgegrenzt und leben oft alleinerziehend, da sie von ihren Männern verlassen werden. OURS ist der erste Ort, an dem sie sich wirklich angenommen fühlen", sagt Kordelia. Eines ihrer Hauptanliegen ist, den Einbezug behinderter Menschen in die Dorfgemeinschaften, die Inklusion, voranzutreiben. "Dazu gehört unter anderem, dass auch behinderte Kinder ganz normal zur Schule gehen, aber auch z.B. Tagesstätten einzurichten, wo die Mütter gemeinschaftlich und abwechselnd auf ihre behinderten Kinder aufpassen."
Kinder wie Peter, Rose und Bernhard sollen wieder lachen können – dafür nimmt Kordelia Fischer- Borchert auch den oft anstrengenden Alltag in Uganda und die Trennung von Familie und Freunden in Deutschland gerne in Kauf.
Frau mit einem Kind, das eine Lippen-Spalte hat
© CBM / argum / Einberger
Bitte helfen Sie mit!
Die stationäre Unterbringung eines Patienten in OURS kostet durchschnittlich 15 Euro/Monat.
Die Gipskorrektur eines Klumpfußes kostet pro Monat durchschnittlich 40 Euro.
Ein in Uganda hergestellter Rollstuhl kostet 120 Euro.
Kennwort: Reha