Bild einer Familie

Das Augenhospital von Debre Markos

Den Blick auf die Zukunft gerichtet

Tigist ist eine schöne junge Frau, die das Leben eigentlich noch vor sich hat – doch ihr Sehvermögen wurde immer schlechter, sie war schon fast blind. Ihre Zukunft als mittellose Verwandte, lebenslang auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen, schien für die Äthiopierin besiegelt. Bis sie sich endlich ein Herz fasste und in das CBM-geförderte Augenhospital von Debre Markos ging, von dem ihre Brüder ihr erzählt hatten.
Porträt einer Frau
Vor der Operation ist Tigist deutlich anzusehen, wie angespannt sie ist.
© CBM / Hartung
Hoffnung, 100 Kilometer nördlich
Debre Markos ist eine Kleinstadt mit rund 60.000 überwiegend christlichen Einwohnern. Sie liegt 100 Kilometer nördlich von Tigists Heimatdorf, auf halbem Weg zwischen der Landeshauptstadt Addis Abeba im Süden und der Regionalhauptstadt Bahir Dar im Norden. In der Klinik angekommen, nimmt Tigist etwas ängstlich, aber auch voller Hoffnung in der Ambulanz Platz – gemeinsam mit rund vierzig weiteren Augenpatienten.
Vom Augencamp zur Klinik
Das dem Krankenhaus von Debre Markos angegliederte Augenhospital ist weit über die Stadt hinaus bekannt und gut ausgelastet. Angefangen hatte alles 2001 mit unregelmäßigen Augencamps, organisiert vom Rotary Club "Stiftland", durchgeführt in einem uralten OP-Saal im Krankenhaus von Debre Markos. Nach und nach besorgte "Stiftland" neue Instrumente, schickte regelmäßig Medikamente ans Hospital und baute schließlich, mit Unterstützung der CBM, eine 20 Betten fassende Augenklinik an, die dann 2007 die Arbeit aufnahm.
Wartende Patienten
Gemeinsam mit etlichen anderen Patienten wartet sie auf ihren Termin.
© CBM / Hartung
Ein ungewöhnlicher Fall
Dr. Adamu untersucht Tigist persönlich – und stellt fortgeschrittenen Grauen Star in beiden Augen fest. "Das ist ungewöhnlich", erklärt der Augenarzt, "normalerweise sind Patienten mit Grauem Star deutlich älter – oder viel jünger, wenn die Erkrankung angeboren ist. Junge Menschen erleiden Grauen Star eher durch einen Unfall oder durch Diabetes." Bei Tigist war das allerdings nicht der Fall. Die junge Äthiopierin soll noch am gleichen Tag operiert werden, zunächst am rechten Auge. Da Tigist nur ein geringes Einkommen hat, muss sie lediglich einen kleinen, an ihre Möglichkeiten angepassten Betrag zu ihrer Operation beitragen – der Rest wird durch Spenden gedeckt. Wer zu arm ist, um selbst diesen kleinen Anteil zur Behandlung beizusteuern, erhält im Hospital auch eine komplett kostenlose Behandlung.
Lächelnde Frau mit einem Augenverband
Die OP dauert rund 15 Minuten – kurz danach kann die deutlich erleichterte Tigist schon wieder lächeln.
© CBM / Hartung
Arzt mit einer Frau
Tags drauf freut sich der Chefarzt des Augenhospitals, Dr. Yilekal Adamu, mit seiner Patientin – Tigist kann wieder sehen!
© CBM / Hartung
Linsentausch in 15 Minuten
Schon bald liegt Tigist auf dem OP-Tisch. Routiniert tauscht Dr. Adamu ihre getrübte Linse gegen eine klare Kunststofflinse aus – nach nur 15 Minuten ist alles vorüber. Als ihre Verwandten sie am nächsten Tag abholen, hat Tigist die Anspannung vor der Operation schon vergessen: "Die Behandlung war völlig schmerzfrei", behauptet sie: "Und ich bin so glücklich, dass ich endlich wieder sehen kann! Aber ich komme wieder", meint Tigist lächelnd, "denn mein linkes Auge soll auch noch operiert werden. Und ich bringe dann meinen Vater mit – auch er ist blind und vielleicht kann Dr. Adamu ihm helfen."
Mit neuem Mut in die Zukunft
Leichtfüßig und beschwingt verlässt Tigist die Augenklinik – die Zukunft steht ihr offen, sie ist wie verwandelt: "Jetzt kann ich wieder richtig arbeiten und meinen Laden neu eröffnen", sprudelt sie hervor. Und nach kurzem Zögern fügt sie hinzu: "Und ich werde mir einen Ehemann suchen und eine Familie gründen."
Helfen Sie mit!
In Äthiopien leiden 1,2 Millionen Menschen am Grauen Star und führen ein Leben in Blindheit. Die meisten Patienten können ihre Behandlung aber nicht oder – wie Tigist – nur zum Teil selbst bezahlen. Sie brauchen deshalb dringend Ihre Hilfe:
Mit 30 Euro retten Sie das Augenlicht eines am Grauen Star erblindeten erwachsenen Patienten.