Meldung vom 3. Dezember 2008

Individuelle Hilfe für Menschen mit Behinderungen im Ostkongo

Augenuntersuchung mit der Taschenlampe
Klinik im Camp Mugunga I: Ein COPH-Mitarbeiter untersucht einen Patienten mit Grauem Star.
© CBM

Unruhen im Ostkongo

Nahrungsmittel, Wasser, Schutzhütten, medizinische und rehabilitative Versorgung ...

Helfen Sie den betroffenen Menschen.

GOMA/BENSHEIM. Die CBM-Partner COPH (Conseil de Concertation des Oeuvres en Faveur des Personnes Ayant un Handicap/Netzwerk für Menschen mit Behinderung) in Goma, Nord-Kivu, und Synergie Simama engagieren sich seit Wochen im Osten des Kongo für die Bürgerkriegsopfer, die z.T. immer wieder neu auf der Flucht sind.
Valerie Scherrer war im Auftrag der CBM bis Anfang Dezember im Land und berichtet von der Arbeit beider Partner.
Mobile Kliniken im Einsatz
Derzeit implementiert COPH mobile Kliniken und nutzt dabei die Strukturen seiner CBR- (Community-based rehabilitation/gemeindenahe Rehabilitations-) Arbeit mit einem sechsköpfigen Team, darunter zwei Supervisoren, ein Physiotherapeut und ein Mitarbeiter, der die sozialen Bedingungen für Menschen mit Behinderungen in den Camps evaluiert. Bisher wurden die Camps um Goma herum besucht: Mugunga I, Mugunga II, Kibati I, Kibati II und Minova.
Die Situation der Menschen in den Camps ändert sich immer wieder, täglich kommen Hunderte weiterer Flüchtlinge, manche kehren auch zurück in ihre Dörfer. Nach letzter Schätzung von UN OCHA leben ca. 84.000 Flüchtlinge in diesen Camps um Goma herum (Minova ausgenommen). Minova ist ein neues Camp, das ca. 2 Stunden von Goma entfernt liegt und um die 1800 "Haushalte" umfasst.
Individuelle Hilfe für etwa 200 behinderte Menschen täglich
Die mobilen Kliniken registrieren täglich neu etwa 200 Menschen mit Behinderungen! Das Mitarbeiterteam erarbeitet für jeden aufgefundenen Menschen mit einer Behinderung einen individuellen Behandlungsplan. Dann wird entschieden, zu welchem Partner von COPH in Goma überwiesen wird. Das Bethesda-Hospital führt Behandlungen und OPs am Auge durch, HEAL Africa versorgt Patienten orthopädisch und plastisch-chirurgisch, im Zentrum für Körperbehinderte werden Physiotherapie und orthopädische Hilfsmittel angeboten, im Zentrum für "Mental Health" erhalten Menschen mit psychischen Problemen oder Patienten, die an Epilepsie erkrankt sind, Hilfe.
Am Boden sitzende Frau
Bald wird dieses etwa 18-jährige, körperbehinderte Mädchen nicht mehr kriechen müssen! Die junge Frau wurde vom COPH-Team in einem der Flüchtlings-Camps gefunden. Wiederholt musste ihre Familie flüchten, die Tochter getragen werden - über eine Strecke von insgesamt 50 km! Sie wird nun zu "HEAL Africa" überwiesen und nach einer OP hoffentlich endlich aufrecht stehen und mit Hilfsmitteln gehen können!
© CBM
Barrierefreie Camps
Neben der Identifizierung von Menschen mit Behinderungen ist es ein weiteres Ziel des CBM-Partners COPH, die Camps barrierefrei, also für behinderte Menschen zugänglich zu gestalten und ihre Bedürfnisse in der allgemeinen Nothilfe bewusst zu machen. Dazu werden in den Camps sogenannte "Disability Posts", Anlaufstellen für Menschen mit Behinderungen eingerichtet, die dann mit den mobilen Teams arbeiten.
Aufbau eines Orthopädie-Zentrums
Der CBM-Partner Synergie Simama/SySi, der ein gemeindenahes Reha-Programm für Menschen mit Behinderung in Bunia für die Provinz Ituri unterhält, plant den Bau eines eigenen orthopädischen Reha-Zentrums, um dem großen Ansturm an Patienten mit körperlicher Behinderung, die bisher immer nach Uganda geschickt werden mussten, gerecht zu werden. Bis dahin werden die Patienten in den Camps aufgesucht. Es besteht immer noch Bedarf an mehr Nahrungsmitteln und weiteren Interventionen.
"Shelters" für Erschöpfte
Viele der Menschen mit Behinderungen, die seit Wochen immer wieder auf der Flucht sind, sind besonders erschöpft, weshalb SySi für sie "Shelters" auf dem Projektgelände gebaut hat, wo sie sich ausruhen können und die Möglichkeit erhalten, nützliche Fertigkeiten zu erlernen, solange sie nicht in ihre kriegsumtobten Heimatdörfer zurückkehren können.