Jugend forscht
Chemie für blinde Schüler
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Preisträger Lutz Brozio zeigt dem CBM-Bildungsreferenten Sönke Bruch, wie mit seiner Erfindung die Farbe von Flüssigkeiten erkannt wird und damit blinde und sehbehinderte Schüler im Chemieunterricht praktische Versuche machen können.© CBM
BENSHEIM/HADAMAR. Ob eine Flüssigkeit sauer oder basisch ist, das können Schüler im Chemieunterricht an dem Farbwechsel der Flüssigkeit erkennen. Bisher war blinden und sehbehinderten Schülern dieser praktische Teil der Chemie verborgen geblieben. Der 19-jährige Schüler Lutz Brozio hat etwas erfunden, das dies ändert. Der diesjährige Sonderpreis der CBM "Innovationen für Menschen mit Behinderung" der Stiftung "Jugend forscht" in Hessen geht daher an den Schüler der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar.
Er entwickelte einen automatischen Farb-Ton-Wandler, der blinden Menschen das selbstständige Durchführen von Versuchen mit Farbwechselreaktionen im Chemieunterricht ermöglicht, indem er Farben in Klänge umwandelt.
Blinde Schüler können endlich Versuche durchführen
Die bisher üblichen Farbmesser für sehbehinderte Menschen ermitteln nur Farben von festen Objekten. Lutz Broszio weitet dieses Feld nun mit seiner Erfindung auf Flüssigkeiten aus. Eine Software wandelt mithilfe einer Webcam die Farben wässriger Lösungen in Töne um, indem jeder Farbe des Regenbogens ein spezieller Klang zugeordnet wird. Gleichzeitig bestimmt die Tonhöhe auch die Dichte der Flüssigkeit. Durch Farbsättigung oder Dunkelwert der Flüssigkeit erkennt das Gerät bestimmte Farben.
Der Jungforscher hat das Gerät bereits erfolgreich mit Schülern der Blindenstudienanstalt Marburg getestet. Die Schule will das Gerät auch in Zukunft einsetzen. Die CBM freut sich über das Engagement des Erfinders, der mithilft ein größeres Verständnis für die Lebenswelt von sehbehinderten Menschen zu entwickeln und belohnt dies mit ihrem Sonderpreis.
650 Millionen Menschen mit Behinderungen
Weltweit gibt es über 650 Millionen Menschen mit Behinderungen, die meisten davon leben in Entwicklungsländern. Sie sind viel stärker von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen als hierzulande, ihre Ausbildungs- und Berufschancen sind denkbar schlecht. Der CBM-Sonderpreis auf Landesebene ist mit 150 € dotiert und zeichnet kreative Ideen und Forschungen aus, die helfen Behinderungen zu vermeiden, behinderten Menschen den Alltag erleichtern und zu mehr Chancengleichheit hier und in den Entwicklungsländern beitragen.
Ziel: selbstständigeres Leben ermöglichen
Die CBM ermöglicht Menschen mit Behinderungen in fast 1.000 Projekten weltweit ein selbstständigeres Leben. Medizinische Hilfe, Rehabilitation und Integration in die Gesellschaft stehen dabei im Vordergrund, z.B. durch die Unterstützung von Augenhospitälern, Blindenschulen, Förderprogrammen für Hörgeschädigte und Körperbehinderte.
Nach Landesebene folgt auch auf Bundesebene Prämierung
Nach der Prämierung auf Landesebene haben alle Teilnehmer die Chance, den von der CBM im Rahmen von "Jugend forscht" ausgeschriebenen Bundes-Sonderpreis zu erhalten. Bevorzugt werden innovative Ideen ausgezeichnet, die sich mit den Themen Behinderung und Rehabilitation in Entwicklungsländern auseinandersetzen. Der Preis ist mit 300 Euro dotiert.
Kontakt: Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die CBM-Pressestelle: Marion Körner (06251 131-366), marion.koerner@cbm.de





