Bittlinger begleitet mobile Augenstation
CBM-Botschafter Clemens Bittlinger in Brasilien
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Clemens Bittlinger: Für die CBM unterwegs.
Foto: Kopp
15./16. Januar 2007:
Als musikalischer Botschafter der CBM fliege ich von Frankfurt nach São Paulo. Der erste Eindruck: São Paulo ist ein Moloch – eine riesige Stadt, mit sehr viel Industrie und übersät mit Hochhäusern.
In den ersten beiden Tagen in São Paulo lernen wir die Arbeit der Augenärztin Prof. Dr. Silvia Veitzman kennen. Sie leitet ein von der CBM gefördertes "Low Vision"-Projekt (Projekt zur Förderung von sehbehinderten Menschen) an einem der ältesten und größten Krankenhäuser São Paulos, dem "Santa Casa". Das Projekt hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, möglichst frühzeitig bei Babys zu erkennen, ob die Gefahr besteht, eine Sehbehinderung zu entwickeln. Bisher waren stark sehbehinderte Kinder zu einem Leben als Blinde verurteilt. Jetzt sollen sie rechtzeitig eine sehbehindertenspezifische Förderung bekommen!
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Angenommen: Clemens Bittlinger mit einem mehrfach behinderten Jungen, der unter anderem an Sehschwäche leidet.
Foto: Kopp
Dies ist bei Laetitia zum Glück geschehen, aber es bedarf der weiteren Kontrolle und Überwachung. An diesem Tag werden wir Laetitia während ihrer verschiedenen Übungen und Untersuchungen begleiten. Bei ihr geht es vor allem darum, dass sie spielerisch lernt, mit ihrer Sehbehinderung umzugehen und ihre Augen zu trainieren. Sie muss lernen zu erkennen, wann sie mit Hilfsmitteln wie Lupen "arbeiten" muss und wann sie allein zurechtkommt.
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Bestens versorgt: Ein frühgeborenes Mädchen wird in der Mutterstation des Krankenhauses Barao de Lucena/Recife versorgt.
Foto: Kopp
Die nächsten beiden Tage verbringen wir im Santa-Casa-Krankenhaus. Dort treffen wir den 21-jährigen Informatik-Studenten Guilherme. Er wurde mit einer Toxoplasmose-Infektion geboren, ausgelöst durch einen Parasiten, den sich seine Mutter in den letzten drei Monaten ihrer Schwangerschaft zugezogen hatte. Die Krankheit wird meistens über schlecht gebratenes oder rohes Fleisch übertragen. Durch diese Infektion vernarbt die Makula (der sogenannte gelbe Fleck auf der Netzhaut – die Stelle, an der man am besten sieht).
Dadurch werden rund 80 Prozent des Sehvermögens zerstört. Durch das frühzeitige Erkennen der Infektion konnte Guilherme so weit geholfen werden, dass er sich heute beinahe mühelos im Alltag bewegen und ein fast normales Leben führen kann.
19./20. Januar 2007:
Ortwechsel: Wir fliegen nach Recife. Am Dienstag brechen wir um 8.30 Uhr in das "Barao de Lucena"-Krankenhaus auf. Dr. Telma und Dr. Christiane haben hier gemeinsam mit der CBM und der Altino-Ventura-Stiftung ein Programm entwickelt, das dafür sorgt, dass zu früh geborene Kinder nicht durch Netzhautablösung für immer erblinden. Rund 200.000 Kinder sind in Brasilien blind, 50 Prozent davon durch eine Netzhautablösung aufgrund ihrer Frühgeburt.
Wenn dieses Pilotprojekt landesweit greift, könnte es die Blindheit von Kindern in Brasilien halbieren. Ich bin sehr beeindruckt von diesem Projekt, weil es das Problem der Kinderblindheit rechtzeitig an der Wurzel packt und so verhindert, dass Kinder überhaupt erblinden.
In Brasilien gibt es sehr viele Frühgeburten und überaus viele sehr junge Mütter. Die meisten frühgeborenen Kinder überleben, erblinden aber, wenn eine beginnende Netzhauterkrankung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Dieses Problem packt die CBM in Zusammenarbeit mit der Altino-Ventura-Stiftung an. Manch einer mag sich jetzt fragen: "Ist es legitim, so viel Zeit, Geld und Aufwand in das Leben von Frühgeborenen zu investieren, wenn draußen auf der Straße hunderttausende Straßenkinder verkommen?"
Die Ärzte begründen das so: "Wir sorgen dafür, dass diese Frühchen die bestmöglichen Chancen im Leben bekommen – das ist unser Job, das ist unsere Aufgabe und wir freuen uns, dass immer weniger Kinder erblinden." Außerdem: "Ist ein Kind erst einmal erblindet, kostet es die Gesellschaft etwa zehnmal so viel, wie wenn es sehen kann."
22. Januar 2007:
Gemeinsam mit Liana Ventura besuchen wir die Hauptklinik der Altino-Ventura-Stiftung. Es ist unglaublich, was da los ist: Hunderte kommen täglich hierher, um kostenlos untersucht und versorgt zu werden. Wir konzentrieren uns vor allem auf jene Abteilung, die sich um Menschen mit Mehrfachbehinderungen kümmert.
Schon vor Jahrzehnten hat die CBM erkannt, dass viele blinde Menschen aufgrund ihrer Blindheit auch noch andere Behinderungen entwickeln oder dass viele körperlich Behinderte mitunter auch sehbehindert sind. Ähnlich wie bei dem "Low Vision"-Programm ist es von entscheidender Bedeutung, dass man so früh wie möglich mit den Kindern arbeitet, um einer späteren Behinderung vorzubeugen oder sie zu mildern.
Wir begegnen einem etwa 30 Jahre alten Mann. Sein Name ist Saphiko. Saphiko war von Geburt an stark sehbehindert. Trotzdem beschloss er mit vierzehn Jahren, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und begann, Süßigkeiten auf der Straße zu verkaufen – das machte er zwölf Jahre lang. Er wurde darin so gut, dass er zum Leiter einer ganzen Gruppe von Süßwarenverkäufern aufstieg. Der junge Mann gründete eine Familie und hat heute drei Kinder. Allerdings verschlechterten sich seine Augen immer mehr, bis er schließlich gar nichts mehr sah. Da er anderen nicht zur Last fallen wollte und weil er sich schämte, kündigte er seine Arbeit ohne Angabe von Gründen. Er wurde depressiv und spielte mit dem Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Eines Tages hörte Saphiko von der Arbeit der Altino-Ventura-Stiftung. Dort wurde ihm geholfen, so grundlegend, dass er nun die Braille-Schrift lernt, studieren möchte und andere, denen es ähnlich geht, motivieren will, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Nach dem Besuch in der Klinik sind wir in einer Favela, einem Armenviertel, wo die Leute durch eine mobile Augenklinik direkt vor Ort versorgt werden. Viele Kinder scharen sich um uns und wir singen zusammen (siehe Titelbild).
23./24. Januar:
Wir fahren ins Hope-Krankenhaus, wo wir mehrere Augenoperationen miterleben dürfen. So auch bei der 15 Monate alten Julia. Es ist unglaublich beeindruckend zu sehen, mit welchem Fingerspitzengefühl die Ärzte bei einer solchen Operation vorgehen und mikroskopisch kleinste Vorgänge exakt ausführen. Am nächsten Tag sind wir dabei, als den Kindern die Augenbinden abgenommen werden und sie zum ersten Mal sehen können. Ich beobachte, wie sie zwischendurch immer wieder in die Runde blicken und darüber staunen, was sie auf einmal alles erkennen – ein wunderschöner Augenblick. Am nächsten Tag fliegen wir wieder nach Hause.
Die Arbeit der CBM "live" zu erleben und dabei zu sein, wenn ein blinder Mensch wieder sehen kann, war für mich ein unbeschreibliches Erlebnis. Helfen auch Sie, damit die CBM ihre Arbeit erfolgreich fortsetzen kann!
Ihr
Clemens Bittlinger
Gemeinsam mit Liana Ventura besuchen wir die Hauptklinik der Altino-Ventura-Stiftung. Es ist unglaublich, was da los ist: Hunderte kommen täglich hierher, um kostenlos untersucht und versorgt zu werden. Wir konzentrieren uns vor allem auf jene Abteilung, die sich um Menschen mit Mehrfachbehinderungen kümmert.
Schon vor Jahrzehnten hat die CBM erkannt, dass viele blinde Menschen aufgrund ihrer Blindheit auch noch andere Behinderungen entwickeln oder dass viele körperlich Behinderte mitunter auch sehbehindert sind. Ähnlich wie bei dem "Low Vision"-Programm ist es von entscheidender Bedeutung, dass man so früh wie möglich mit den Kindern arbeitet, um einer späteren Behinderung vorzubeugen oder sie zu mildern.
Wir begegnen einem etwa 30 Jahre alten Mann. Sein Name ist Saphiko. Saphiko war von Geburt an stark sehbehindert. Trotzdem beschloss er mit vierzehn Jahren, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und begann, Süßigkeiten auf der Straße zu verkaufen – das machte er zwölf Jahre lang. Er wurde darin so gut, dass er zum Leiter einer ganzen Gruppe von Süßwarenverkäufern aufstieg. Der junge Mann gründete eine Familie und hat heute drei Kinder. Allerdings verschlechterten sich seine Augen immer mehr, bis er schließlich gar nichts mehr sah. Da er anderen nicht zur Last fallen wollte und weil er sich schämte, kündigte er seine Arbeit ohne Angabe von Gründen. Er wurde depressiv und spielte mit dem Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Eines Tages hörte Saphiko von der Arbeit der Altino-Ventura-Stiftung. Dort wurde ihm geholfen, so grundlegend, dass er nun die Braille-Schrift lernt, studieren möchte und andere, denen es ähnlich geht, motivieren will, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Nach dem Besuch in der Klinik sind wir in einer Favela, einem Armenviertel, wo die Leute durch eine mobile Augenklinik direkt vor Ort versorgt werden. Viele Kinder scharen sich um uns und wir singen zusammen (siehe Titelbild).
23./24. Januar:
Wir fahren ins Hope-Krankenhaus, wo wir mehrere Augenoperationen miterleben dürfen. So auch bei der 15 Monate alten Julia. Es ist unglaublich beeindruckend zu sehen, mit welchem Fingerspitzengefühl die Ärzte bei einer solchen Operation vorgehen und mikroskopisch kleinste Vorgänge exakt ausführen. Am nächsten Tag sind wir dabei, als den Kindern die Augenbinden abgenommen werden und sie zum ersten Mal sehen können. Ich beobachte, wie sie zwischendurch immer wieder in die Runde blicken und darüber staunen, was sie auf einmal alles erkennen – ein wunderschöner Augenblick. Am nächsten Tag fliegen wir wieder nach Hause.
Die Arbeit der CBM "live" zu erleben und dabei zu sein, wenn ein blinder Mensch wieder sehen kann, war für mich ein unbeschreibliches Erlebnis. Helfen auch Sie, damit die CBM ihre Arbeit erfolgreich fortsetzen kann!
Ihr
Clemens Bittlinger




