Eine individuelle und gesellschaftspolitische Herausforderung
Behinderungen
-
-
Chancenlos? Menschen mit einer Behinderung haben selten Zugang zur Schulunterricht und Berufsausbildung.© CBM / argum / Einberger
Eine Milliarde Menschen weltweit sind behindert. Der Anteil von Menschen mit Behinderungen an der Weltbevölkerung stieg von bislang zehn auf jetzt 15 Prozent – so die Schätzung im ersten Weltbehindertenbericht von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Weltbank. Bei fast sieben Milliarden Weltbevölkerung, entspricht das rund einer Milliarde Betroffener.
Behinderung resultiert aus dem Zusammenspiel von individuellen Eigenschaften und Einschränkungen sowie Umweltbedingungen. Behinderung ist kein rein individuelles, medizinisches Phänomen, sondern ebenso durch das Umfeld bedingt. Damit ist Behinderung eine gesellschaftliche Herausforderung. Das gilt besonders in Ländern, in denen die Infrastrukturen, wie zum Beispiel die Gesundheits- und Bildungssysteme, schwach sind, denn dort ist es schwierig, die benötigten medizinischen und rehabilitativen Dienste bereitzustellen. Auch bauliche und kommunikative Barrieren, wie ausschließlicher Treppenzugang in Gebäuden und die unzureichende Verbreitung der Brailleschrift für blinde Menschen, tragen zu Behinderung bei.
In Entwicklungsländern ist Behinderung sowohl Ursache als auch Folge von Armut. Unzureichende Ernährung, gefährliche Arbeits- und Lebensbedingungen, begrenzter Zugang zu medizinischer Versorgung und Mutterschaftsbetreuung, Hygienemangel, unzulängliche sanitäre Verhältnisse, Krieg sowie Naturkatastrophen – all diese Faktoren können Behinderungen verursachen. Oft ist nicht die körperliche oder psychische Beeinträchtigung die größte Behinderung der Betroffenen, sondern die soziale Ausgrenzung, die sie erleben. So führen die Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen, der Glaube an Hexerei oder Flüche, fehlende Ausbildungsmöglichkeiten oder auch einfach Treppenstufen in allen öffentlichen Gebäuden häufig zu sozialer Isolation und verstärken damit die wirtschaftliche Belastung für die Betroffenen und ihre Familien.
Was eine Person mit einer speziellen Beeinträchtigung kann und was sie benötigt, um eine ungehinderte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erlangen, lässt sich nicht in einem allgemeingültigen Schema zusammenfassen. Denn Beeinträchtigungen können unterschiedlich ausgeprägt sein, und auch das Umfeld ist verschieden. Deshalb kann sich die oberflächlich betrachtete "gleiche Behinderung" im Alltag zweier betroffener Menschen völlig unterschiedlich auswirken. Das ist bei der nachfolgenden Beschreibung verschiedener Arten von Behinderungen zu beachten.
Körperbehinderungen
Mindestens 30 Millionen Menschen weltweit sind körperbehindert. Zur Verhütung legt die CBM Schwerpunkte auf Gesundheitserziehung, Ernährung, Schutzimpfung und die medizinische Begleitung bei Geburten.
Medizinische Hauptursachen sind Klumpfüße, Verbrennungen, Mangelernährung und Infektionskrankheiten, die zum Beispiel zu Kinderlähmung führen können.
Hörbehinderungen
Hörschäden gelten weltweit als die am weitesten verbreitete Behinderung: Fast 280 Millionen Menschen, das heißt fast vier Prozent der Weltbevölkerung, weisen mäßige bis gravierende Hörschäden auf. 80 Prozent aller Betroffenen leben in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Medizinische Hauptursachen sind zum Beispiel Mittelohrentzündung, Masern, Meningitis, Malaria oder Infektionen während der Schwangerschaft.
Blindheit
Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 285 Millionen Menschen als sehbehindert – hiervon sind 246 Millionen stark sehbehindert und 39 Millionen blind. 90 Prozent aller blinden Menschen leben in Entwicklungsländern.
Medizinische Hauptursachen sind unter anderem Grauer Star (fast 20 Millionen), Glaukom (Grüner Star) und Netzhauterkrankungen. Bei Kindern in Entwicklungsländern führen vor allem Vitamin-A-Mangel, angeborener Grauer Star und Frühgeborenen-Retinopathie zu Blindheit.
Medizinische Hauptursachen sind unter anderem Grauer Star (fast 20 Millionen), Glaukom (Grüner Star) und Netzhauterkrankungen. Bei Kindern in Entwicklungsländern führen vor allem Vitamin-A-Mangel, angeborener Grauer Star und Frühgeborenen-Retinopathie zu Blindheit.
Geistige Behinderungen
Betroffen sind davon rund ein bis drei Prozent der Bevölkerung weltweit. In Entwicklungsländern sind die Zahlen höher. Da Menschen mit einer geistigen Behinderung häufig stigmatisiert werden, ist es wichtig, die betreffenden Gemeinschaften dahingehend aufzuklären, dass es sich beispielsweise nicht um einen "Fluch" handelt.
Medizinische Hauptursachen sind Jodmangel oder Vergiftung durch Schwermetalle, genetische oder chromosomale Abweichungen, Komplikationen bei der Geburt oder frühkindliche Erkrankungen.
Hilfe und Unterstützung durch die CBM
In Zusammenarbeit mit ihren Partnern fördert die CBM Früherkennungsprogramme und bietet Basisgesundheitsdienste an, um Erkrankungen zu verhindern oder zu behandeln. Außerdem unterstützt die CBM Menschen mit Behinderungen durch medizinische Betreuung, Therapie und Rehabilitation. Dazu zählen zum Beispiel chirurgische Maßnahmen zur Wiederherstellung des Sehvermögens, physiotherapeutische Behandlungen, die Versorgung mit Prothesen, Rollstühlen, Brillen oder Hörgeräten. Aber auch schulische und berufliche Ausbildung sowie die Unterstützung durch Kleinstkredite zum Aufbau einer eigenen Lebensgrundlage versteht CBM als ihre Aufgabe.
Darüber hinaus fördert die CBM die Aufklärung über Behinderungsursachen und deren Vermeidung, setzt sich für die Rechte behinderter Menschen ein und fördert die inklusive Entwicklungszusammenarbeit, das heißt die Einbeziehung behinderter Menschen in diese Arbeit, auch bei staatlichen Akteuren und anderen Nichtregierungsorganisationen.
Stand: Juni 2011
Stand: Juni 2011
Download (PDF): Behinderung




