Pakistan nach dem Beben

Vor dem Winter laufen die Hilfsmaßnahmen auf Hochtouren

Nach dem Erdbeben in Pakistan leisten Hilfsorganisationen, medizinische Einrichtungen und Einzelpersonen überall in der betroffenen Region ihren Beitrag zur Soforthilfe. Mit dabei sind auch die Christusträger-Schwestern aus Rawalpindi, die zu den ersten gehörten, die sich an Ort und Stelle um die Menschen gekümmert haben. Auch die CBM konnte mit einem Container für Augen-Notoperationen helfen.

Lesen Sie einen Brief der Christusträger-Schwestern aus der Krisenregion:

9 November 2005

Drei Männer in einem Zelt: Der linke wird vom mittleren untersucht; der Rechte sitzt an einem Apparat.
Untersuchung im Zelt: Ärzte des völlig zerstörten Augenhospitals in Batagram untersuchten bis vor wenigen Tagen noch in einem Zelt. Mittlerweile wurde dafür ein Container zur Verfügung gestellt.
Liebe Freunde!

Heute ist ein pakistanischer Feiertag, so ist etwas Zeit, wieder einen kleinen Zwischenbericht über den Stand der Hilfsmaßnahmen nach der Erdbebenkatastrophe zu geben.

Alle Hilfe ist zur Zeit ein Kampf gegen die Zeit, denn der Winter ist nahe. Es wird ganz offiziell von einer zu erwartenden zweiten Todeswelle gesprochen. Bis jetzt hat es noch nicht nennenswert geschneit, aber die Nächte sind schon bitterkalt.

So versuchen unsere Teams weiter, soviel Zelte, Plastikplanen, warme Kleidung und Grundnahrungsmittel wie möglich zu verteilen. Ein Ende dieser Aktion ist überhaupt nicht in Sicht! Uns ist es wichtig, innerhalb der großen Hilfsmaßnahmen der Regierung die "Nischen" zu versorgen, in die nichts kommt. Da haben wir den großen Vorteil, dass unser Mitarbeiter, vor allem auch unsere Fahrer, aus der Gegend sind und sich vor Ort bestens auskennen.

Das "Bach Christian Hospital" der TEAM Mission in Qalanderabad (zwischen Abbottabad und Mansehra) erlaubte uns, ein Zelt als Zwischenlager auf ihrem Gelände aufzustellen, das wir durch die italienische Botschaft bekamen. Dort sind die Hilfsgüter sicher untergebracht (wir haben einen "Lagerverwalter" eingestellt) und die Teams holen mit unseren Fahrzeugen von dort den Nachschub.
Dr. Chris schmotzer sitzt an einem Tisch und gbit einem mann mit Turban einen Zettel.
Eine der Ersten: Dr. Chris Schmotzer von den Christusträgerinnen untersucht Patienten nach dem Erdbeben im Freien. Im Hintergrund das eingestürzte Dach der Klinik in Balakot. Als Untersuchungs- und Schreibtisch dient der Ärztin ein umgedrehtes Regal.
Von Rawalpindi wären es 200 km nach Balakot, von dort sind es nur 90 km. Unsere drei "Zielrichtungen" der Soforthilfe sind das Kaghantal oberhalb Balakot, Banna Allai im Distrikt Batagram und Shagai im Stammesgebiet von Kala Dhaka. Wir haben 2 Brüder von Sharfuddin und Haroon als weitere Fahrer angestellt, damit mehr Hilfsgüter verteilt werden können. Das Elend der Überlebenden und Verwundeten ist sehr, sehr groß.

Wie gut, dass es Handys gibt, denn so sind wir spätestens jeden Abend in Kontakt mit den Verantwortlichen der Teams und erfahren von ihrem Einsatz und ihrem Erleben. Zum Beispiel erreichten sie kürzlich auf steilen, schwierigen Wegen ein "Dorf", in das noch keine Hilfe gekommen war. Tagelang kratzten die Menschen unter den Trümmern alte Vorräte von Reis und Linsen heraus, dann erbettelten sie von Nachbarn ein bißchen gekochtes Essen und nun brachte unser Team Planen, Decken und Nahrungsmittel. Sie erzählten von einer Schule, die viele Meter den Steilhang hinuntergestürzt war. Etliche Kinder riss es in den Tod, die von ihren Angehörigen noch immer nicht gefunden wurden.

In Rawalpindi und Islamabad haben wir ein Netzwerk von Helfern, die das Nötigste einkaufen und transportgerecht verpacken: Die Frau von Dr. Amir kauft leichte Steppdecken und Haushaltsartikel, Kinder unserer Mitarbeiter und vom Haus Emmanuel reinigen und verpacken alles. Dazu kommen die Lebensmittel und warme Kleidung, die von Frauen unserer Kirche und Studenten einer Sprachschule in Islamabad familiengerecht verpackt werden und dann bei uns angeliefert werden. Insgesamt haben wir schon über 30.000 Euro ausgegeben neben allen Sachspenden, die wir vor Ort erhalten.
Kartons mit medizinischen Gütern, Umstehende im Mittelgrund und Trümmer hinten.
Angekommen: Hilfslieferungen mit den nötigsten medizinischen Hilfsmitteln im Innenhof der zerstörten Klinik von Balakot.
Deutsche Organisationen schickten Zelte und Lastwagen mit Decken und Sr. Annette brachte aus Deutschland Luftfracht mit vielen warmen Sachen mit, die sogar kostenlos von transportiert wurden. Sie stand mit tausenden anderen Sendungen auf einer Landebahn unseres Flughafens - er ist zu klein für so einen Ansturm.

Durch gute Beziehungen konnte Sr. Adelheid nach langem Warten zwischen irrsinnig vielen anderen Leuten unsere 42 Kartons in Empfang nehmen, der Zoll ließ alles ungesehen durch. Die "gute Beziehung" war ein Sohn von Leprakranken in Balakot. Dank unserer Hilfe konnte Mobarik Shah vor Jahren studieren und hat nun am Flughafen Islamabad eine gute Stellung.

In Balakot läßt der Chef eines großen halbstaatlichen Investmentfonds, der uns gut kennt, eine Notunterkunft in Schnellbauweise hinstellen auf einem freien Platz des Leprahospitals. Es war seine Initiative und er überraschte uns damit. Nun werden wir versuchen, darin eine Notklinik aufzubauen.

Neben der "Winterhilfe" ist es uns wichtig, wieder einen Anfang der medizinischen Arbeit zu machen. Wir versuchen herauszufinden, ob die Patienten, die auf Behandlung wegen Lepra oder Tuberkulose sind, noch Medikamente haben, denn die Register und die Vorräte sind in den meisten Gesundheitsposten und natürlich im Hospital in Balakot zerstört.

Von zwei jungen Frauen wissen wir, dass sie tot sind, vier weiteren konnten wir, wenn auch etwas verspätet, ihre Medikamente geben. Einige andere TB- und Leprakranke kamen sogar den weiten Weg nach Rawalpindi, damit die Behandlung weiter gehen kann, von anderen wissen wir noch gar nichts.

Daneben sind wir damit beschäftigt herauszufinden, wie viele Mitarbeiter und Patienten welche Schäden und Verluste erlitten haben, was sie an Soforthilfe brauchen und was dann für den Wiederaufbau nötig sein wird. Das ist eine langwierige Riesenaufgabe, aber der Anfang ist gemacht!
Ein Wohncontainer mit einem Eingang und drei Fenstern auf der langen Seite.
Für den Übergang: Dieser Container wurde von der CBM zur Verfügung gestellt. Er soll Operationen an der Batagram Eye Clinic ermöglichen. Derzeit wird er innen für die medizinische Nutzung ausgebaut.
Eine weitere Not, die uns immer deutlicher vor Augen tritt, ist die große Zahl von Verletzten, die nur notfallmäßig operiert wurden oder Amputationen brauchten, um zu überleben. Die Zahl von Behinderten erhöht sich drastisch in Nordpakistan und es gibt ganz sicher zu wenig Krankengymnasten und orthopädische Werkstätten, um diese Flut von Opfern zu versorgen. Wir wollen sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, dass wir in dieser Richtung helfen können.

In Batagram ist es sehr erfreulich, dass unser Augenarzt dank der Hilfe der Christoffel-Blindenmission und Licht für die Welt Österreich nun einen Container hat, der als Not-OP dient. Das ist eine optimale Lösung für den Winter. Im Moment steht die Behandlung von Augenverletzungen im Vordergrund.

Gott ist gut, wir spüren es, wie um die ganze Welt für uns gebetet wird. Die viele Unterstützung, die uns anvertraut wird zum Weitergeben, besonders die großzügige Soforthilfe durch die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Würzburg und die vielen reichen Gaben unseres Christusträger-Freundeskreises, ist uns eine starke Ermutigung. Alles kommt immer zum rechten Zeitpunkt, soviel, wie und was wir brauchen und verteilen können, das ist eine tolle Erfahrung.

Dafür danken wir Ihnen / Euch wieder von Herzen und hoffen, dass die Hilfe vielen zeigt, dass Gott sie nicht vergessen hat.

Herzliche Grüsse von uns allen

Ihre/Eure Christusträger-Schwestern in Rawalpindi
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